Im Kölner Stadtanzeiger ist ein Interview mit dem Professor Peter Palese über Vogelgrippe (H5N1) online.
Peter Palese ist Professor für Mikrobiologie und Vorstand des Instituts
für Mikrobiologie an der Mount Sinai School für Medizin in New York. Er
hat sich in über 200 Publikationen mit dem Thema der Replikation
RNA-hältiger Viren (Schwerpunkt Influenza) befasst.
Zu Pandemien kommt es, wenn ein vollkommen neuartiger Erreger auftaucht, gegen den die Bevölkerung kaum oder keine Immunität besitzt. So auch die "Spanische Grippe" von 1918, die ungefähr 50 Millionen Menschenlegben gekostet haben soll. Der Erreger ist mittlerweile ausgestorben. Die historische Erfahrung legt dar, dass drei bis vier Influenza-Pandemien pro Jahrhundert vorkommen.
Durch Rekonstruktion des "Spanischen Grippeviruses" konnte nachgewiesen werden, dass dieser virulenter war als jeder andere menschliche Grippe-Virus, mit dem er verglichen wurde. Palese glaubt nicht, dass es ein einzelnes genetisches Merkmal gibt, an dem sich ablesen ließe, dass ein Virus pathogener ist als ein anderer. Erst die Kombination aller Eigenschaften ergibt den "Supervirus" - also das Gesamtpaket aus Genen und Proteinen. So einen Erreger gibt es vielleicht einmal im Jahrhundert oder sogar einmal pro Jahrtausend. Durch die Rekonstruktion ist kein gefährlicher Virus entstanden. Erstens gibt es antivirale Medikamente, Impfstoffe haben sich als wirksam erwiesen und viel wichtiger es gibt in der Bevölkerung eine Rumpfimmunität.
Bislang spricht nichts dafür, dass der H5N1 leicht von Mensch zu Mensch übertragen wird. Die Vogelgrippe gibt es nicht erst seit gestern, sondern nachgewiesen bis in das Jahr 1959. Selbst eine Mutation an ein oder zwei Stellen würde wahrscheinlich nicht ausreichen, um daraus einen für Menschen gefährlichen Virus zu bilden - sonst wäre es schon längst passiert. Aus diesen Gründen hält Palese eine H5N1-Pandemie für sehr unwahrscheinlich.