Schon als ganz kleines Kind lernen wir,
dass unsere Bedürfnisse unwichtig sind. Nicht nur dass wir
körperlich völlig unterlegen sind nein auch geistig und seelisch. Eine totale Abhängigkeit. Somit sind wir
der Erwachsenenwelt völlig ausgeliefert und sind uns unseres Dramas
nicht bewusst. In dem Artikel über das intellektuelle Gefängnis
habe ich schon verdeutlicht das uns dieser Zustand leider auch nicht besonders stört.
Alice Miller (z.B. in das Drama des
begabten Kindes), Alfred Adler (Individualpsychologie) und andere Tiefenpsychologen machen
deutlich, dass gerade die ersten sechs Lebensjahre entscheidend für
den Menschen sind. Das sind die Hauptprägungsjahre. Und was lernen
wir dort? Wir lernen zum einen unsere Bedürfnisse denen der Eltern
unterzuordnen und verstehen dass unser ganzes Leben lang. Wir fühlen
uns stets schuldig anderen ihre Bedürfnisse zu erfüllen. Zum
anderen übernehmen wir Ziele und Strategien der Eltern
beziehungsweise der Hauptbezugsperson. Fataler weise völlig
unreflektiert. Denn es gibt nur eine einziges wahrgenommenes Bezugssystem, die Welt der Eltern.
Und diese Welt der Eltern prägt unser
Denken. Wir halten es für absolut richtig und ahmen diese nach und integrieren es in unser Leben. Es
versteht sich von selbst, dass unsere Sprache eine vermeintlich
analytische ist. Alles wird beurteilt, verglichen und bewertet. Diese
Sprache ist eine Sprache der Herrschaft. Sie zielt darauf ab nicht in
Kontakt mit unserem Herzen zu kommen. Auch übernehmen wir völlig
unreflektiert Gedankenmuster und vermeintliche Wertesysteme. So
glauben wir an das Gute und Böse, an richtig und falsch. Genau dasselbe
spiegeln uns die Medien vor. Nach dem Motto: steter Tropfen höhlt
das Gehirn. Neurobiologisch ist das auch so. Es bahnt sich in unser Gehirn. Es findet immer wieder Anknüpfungspunkte, der Erfolg fürs hängenbleiben.
Die Bildung beziehungsweise die Schule
knüpft an dieses System an. Es basiert auf der Annahme, dass Lob und
Tadel ein Motivationsfaktor ist. Es wird aber nicht bewertet wie viel
ein Schüler dazugelernt. Desweiteren ist es nicht für die Kinder konzipiert, sondern für die Lehrer. Es wird relativ schnell klar, dass Noten
nur dazu da sind die guten Schüler (die vorher schon alles wussten) besser dastehen zu lassen und die
schlechten Schüler zu demotivieren. Sie fördert Konkurenz sowie Herrschen und beherrscht werden. Es werden keine gemeinsame
Lernziele vereinbart, sondern einseitig vom Lehrer beziehungsweise
vom Bildungsplan abgeleitet. Der Schüler hat wie zuhause durch die
Eltern, in der Schule das zu tun was die Lehrer wollen - dafür sorgt schon das Notensystem als ultimatives Druckmittel. Die
Bedürfnisse der Schüler spielen dabei keine Rolle. Wäre es nicht viel schöner, wenn Schüler bereitwillig und begierig lernen (Kinder haben eine natürliche Freude am Lernen) und nicht nur um gute Zensuren zu bekommen oder um schlecht zu vermeiden?
Nach der Schulausbildung, werden die meisten
wohl eine Ausbildung, ein Studium oder arbeiten gehen. Auch dort wird
wieder das gleiche System herrschen. Wieder gibt es jemanden (der
Chef), der sagt was zu tun ist. Auch hier wird versucht über Lob und
Tadel Motivation zu erreichen, ohne Motivation wirklich verstanden zu
haben.
Wir verurteilen uns sogar selbst. Anstatt einfühlsam und empathisch uns und anderen gegenüber zu sein, machen wir uns selber fertig bis zur tiefen Depression. Wie oft sagen wir "müssen" oder "sollten". Beides führt uns weit weg von uns selber. Es weist die Verantwortung von uns selber und lässt uns keine Wahl, die wir doch haben. Selbsterfüllende Prophezeiungen entwickeln sich daraus.
Mensch oder Marionette? Die Massenmedien, Werbung, Computerspiele, Schule und zu guter letzt die andere Menschen beeinflussen uns mehr als wir das uns zugestehen. Sie gaukeln uns die Welt vor, wie sie zu sein hat, nicht wie sie ist. Unkritisch wird von beliebig austauschbaren Autoritäten fast alles unkritisch übernommen, es muss nur oft genug wiederholt werden. Wer nichts weiß muss alles glauben.
Dann bekommen wir Kinder denen wir das
gleiche vermitteln. So wird von Generation zu Generation der gleiche
Mist (diese Gewalt) weitergegeben. Das ist das eigentliche Drama. So
wird klar, dass sich seit Jahrhunderten außer den Umständen wenig
verändert hat. Das könnte fast für eine Erklärung des ewigen Daseinskreislaufs und der Leidenstheorie der Buddhisten reichen.
Man könnte sagen das Ziel wäre
mangelnde Selbstverantwortung und Manipulierbarkeit. Dies wird ziemlich gut erreicht.
Die Folgen sind nicht gerade erbaulich. Diese werden sehr gut durch folgendes Zitat von Georg Bernanos (aus GFK von Rosenberg entnommen):
Ich denke
schon lange folgendes: wenn eines Tages die immer wirksamer werdenden
Zerstörungstechniken schließlich dazu führen, dass unsere Spezies
von der Erde verschwindet, dann wird es nicht Grausamkeit sein, die
für unsere Auslöschung verantwortlich ist, und natürlich noch
weniger die Entrüstung, die durch die Grausamkeit geweckt wird, oder
die Vergeltungsmaßnahmen und Racheakte, die daraus erwachsen...,
sondern die Schwäche, der Mangel an Verantwortung im modernen
Menschen, seine falsche, unterwürfige Akzeptanz einer jeden
Anordnung von oben. Der Horror, den er schon erlebt haben, und
dennoch größere Horror, den wir noch erleben werden, sind keine
Anzeichen dafür, dass Rebellen, Menschen, die sich nicht
unterwerfen, die sich nicht kleinkriegen lassen, in zunehmender
Anzahl auf der ganzen Welt zu finden sind, sondern eher, dass es eine
konstant steigende Zahl von Gehorsam, schwachen Menschen gibt.