Die Arzneimittelbehörde wird zur Dienstleistungsagentur für die Pharmabranche
Für mich sieht das wieder wie ein Schildbürgerstreich der Politik aus. Ulla Schmidts erklärtes Ziel ist es das in Bonn ansässige Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in ein wirtschaftliche Agentur zu verwandeln. Das Institut ist dafür verantwortlich Medikamente und Medizinprodukte zulassen und registrieren, sowie die Sicherheit der Präparate zu kontrollieren und die Anträge auf klinische Arzneimittelstudien zu genehmigen. Im Zuge der Europäisierung wird dies in Konkurrenz zu anderen Institutionen innerhalb der EU führen. Daher ist es richtig sich um die Zukunft zu machen.
Nachteil der unternehmerisch geführten Institutionen, die das eigentliche Wohl der Patienten in den Vordergrund stellen, kann man sich leicht ausmahlen. Zielvereinbarungen werden an die Wirtschaftlichkeit geknüpft werden oder an der Anzahl der Zulassungen pro Jahr. Was wird passieren? Konkurrenz und Geschwindigkeit werden dem Patienten nicht dienlich sein, denn weniger Zeit bedeutet auch weniger über die Risiken und Nebenwirkungen wissen zu können. Die Prämien für schnelle Zulassung bei der Pharmaindustrie wird die Lobbyarbeit genau dort erfolgreich ansetzten.
Diese 100%ige Gebührenfinanzierung hat zur Folge, dass die wirtschaftliche Unabhängigkeit verloren geht und damit auch die Aussagefähigkeit der Beurteilungen.
Noch ein paar Fakten am Rande zu diesem Thema, die den Beigeschmack verdeutlichen: Jetzt schon liegt die Meldequote von Nebenwirkungen bei 5-10%. Verschiedene Studien weisen darauf hin, dass jährlich mindestens 16.000 Menschen an den Folgen unerwünschter Arzneimittelwirkungen sterben.
Besser wäre es diese Behörde auf Gesundheitsvorsorge und Sicherheitsforschung zu profilieren und darauf hin umzubauen. Doch das würde ja Sinnvoll ausgegebenes Geld bedeuten. Der "Schieberegler" zwischen Patienten und Pharmaindustrie würde dann zu Gunsten der Patienten verschoben werden auf kosten der Pharmaindustrie. Verbraucherschutz sieht anders aus.
Siehe dazu auch Artikel im Blog: Manager der Pharmaindustrie packt aus, Quelle: Taz 23.3.07: Arzneimittelsicherheit ade