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Unsere Laufenten

Mit dem letzten Umzug ging ein lange gehegter Traum in Erfüllung: Ein Garten am Haus, der auch die Möglichkeit zur Hühner- und Entenhaltung bietet.

Gundel und Paul

Als schneckengeplagte Gärtner mit biologischer Wirtschaftsweise haben wir den gefräßigen Weichtieren in unseren "entenlosen" Zeiten eigenhändig nachgestellt, um Salatköpfe, Blumen und Gemüse vor dem Kahlfraß zu retten. Dann wurden wir auf die indischen Laufenten aufmerksam. Warum nicht den fleißigen Jägern das Schneckensammeln überlassen und dazu noch nette Gesellschaft im Garten haben?! Gesagt getan: Im Mai 2000 sind wir dann auf Entensuche gegangen und wurden fündig: Gundel und Paul, ein einjähriges, forellenfarbenes Laufentenpärchen. Die beiden bewohnen seitdem zusammen mit einer 4-köpfigen Hühnerschar einen alten Kuhstall und einen ca. 7 ar großen Garten, der sich in Baumwiese, Gemüsebeete und Beerensträucher unterteilt. Nach einer mehrtägigen Eingewöhnugszeit im Stall durften die beiden "entlich" den Garten erkunden. Anfangs zögerlich, dann mit wachsender Begeisterung wurde jeder Winkel untersucht und der Schnabel in jedes Loch gesteckt. Gundel immer voran, Paul hinterher; Gundel laut, Paul leise. So ist es bis heute geblieben.

Das anfängliche Sammelsurium an Wasserschüsseln und Badetöpfen wurde durch einen 6 qm großen Folienteich ersetzt weil nicht zu übersehen war, dass das Gefiederpflege- und Paarungsverhalten eng an das Wasser geknüpft sind. Die Begeisterung über den Teich war grenzenlos. Paddeln, plantschen, tauchen, putzen, dösen und bei Vollmond die halbe Nacht baden. Leider benutzen sie den Teich auch ausgiebig als Matschpfütze und Kloake, sodass je nach Jahreszeit eine ein- bis zweiwöchige Reinigung mittels Tauchpumpe und Schrubber unumgänglich ist. Frisches Wasser lieben sie besonders! Den Teich haben wir kindersicher eingezäunt und nur für die Enten ein kleines Schlupfloch freigelassen. Da sich schnell herausstellte, dass neben Nacktschnecken auch junge Salat- und Gemüsepflanzen als beliebte Abwechslung auf dem Speiseplan standen, mussten wir das Gemüsebeet ebenfalls einzäunen. Der Schneckendruck von außen ist nun absolut gering. Auch die Nachbarn klagen nicht mehr über Invasionen von Schleimies.

Nach knapp 6 Jahren wurde die PVC-Folie undicht und kein Loch war zu finden. Gefühlsmäßig erkannte ich damals schon beim Verlegen, dass diese Art von Folie keine gute Idee war. Das Teil roch so sehr nach Weichmacher, dass es mir schon leid tat, die Enten auf den Teich zu lassen. Die Folie wird mit der Zeit ganz hart und die Enten kommen schlechter heraus. Jetzt hab ich etwas mehr ausgegeben und EPDM-Kautschukfolie gekauft. 20 Jahre Garantie versprechen von vorneherein lange Haltbarkeit. Die Folie riecht nicht, ist dauerelastisch auch bei tiefen Temperaturen, die Enten kommen sehr leicht heraus und das Verlegen macht direkt Spaß.

Gundel leistet uns neben ihrer Anwesenheit und Schneckentilgung noch einen weiteren wertvollen Dienst: In den Sommermonaten legt sie fast täglich ein leckeres Ei das bei uns im Kuchen- oder Nudelteig landet.

Das Thema "Enteneier" sollte uns im Gartenjahr 2001 noch intensiver beschäftigen: Mit der Hintergrundinformation indischer Laufenten seien als Legeenten schlechte Brüter wagten wir nicht im Traum an eine eigene Nachzucht zu denken. Eingestimmt durch unsere brütenden Hühner wollten wir aber trotzdem einen Versuch wagen und ließen Gundels Eier an ihrem Legeplatz im Stall. Täglich kam ein neues Ei hinzu doch Gundel interessierte sich zunächst nicht für ihr Gelege.

Gundel auf ihrem Nest (2001)

Beim neunten Ei konnten wir dann endlich eine Veränderung erkennen: Die Sägemehleinstreu wurde kunstvoll zu einem Nest um die Eier aufgeschichtet. Das 10. Ei wurde hineingelegt und unsere Entendame blieb - welch ein Wunder bei diesem quirligen Tier - einen halben Tag lang auf ihrem Gelege sitzen. Das 11. Ei kam hinzu und wieder machte Gundel es sich für einen halben Tag auf ihrem Nest bequem. Unsere Spannung wuchs ins Unermessliche, sollte es doch noch klappen mit der Naturbrut? Tatsächlich - es klappte! Am 12. Tag (Brutbeginn 25.4.) kam kein weiteres Ei mehr hinzu und unsere Ente, hormonell verändert und ruhiggestellt, verließ fortan nur noch 2 bis 3 mal am Tag kurz ihr Nest um zu fressen, zu baden und eine Runde durch den Garten zu flitzen. Vor Verlassen des Stalles wurde das Gelege mit Spänen vollständig zugedeckt und dann der Ehemann Paul durch lautes Geschnatter herbeizitiert um sie bei ihren Kurzausflügen zu begleiten. Auch Paul veränderte während der Brutdauer sein Verhalten. Die meiste Zeit des Tages verbrachte er im oder am Teich (dieser befindet sich direkt vor dem Stalleingang) mit Körperpflege oder scheinbar meditativem Wachschlaf. Nachts hatte er seinen Schlafplatz vor dem Nest seiner Frau.

Küken 2 Tage alt

So vergingen 28 Tage bis dann am 23.5.01 endlich (!!!) 10 kleine unvorstellbar süße Entenkinder aus ihren Eiern schlüpften. Wir waren restlos begeistert - welch Wunder der Natur. Gundel verteidigte jeden unserer neugierigen Blicke auf ihre Sprösslinge mit lautem Gefauche und gesträubtem Federkleid.

Am 2. Tag verließ Sie mit ihren Küken zum ersten mal den Stall um durch den Garten zu laufen und im Teich ein Familienbad zu nehmen. Zurück blieb das 11. scheinbar unbefruchtete Ei, dem kein Interesse der Entenmutter mehr galt. Paul nahm die Ankunft der Küken gelassen hin. Nie konnten wir ein Zeichen von Aggression oder Ablehnung gegenüber seinen Kindern beobachten. Die Führung und Beschützung der kleinen Entchen übernahm jedoch vollkommen die Mutter.

Die Entenkinder waren sehr aufgeweckt, mobil und interessiert an ihrer Umwelt. Alles wurde mit dem Schnabel auf Fresstauglichkeit untersucht und selbst die dicksten Schnecken (deren Zahl sich während der Brutzeit der Enten deutlich vergrößerte) wurden nicht verschmäht. Diese Schneckengier wurde dann auch 3 der Küken zum Verhängnis. Im Alter von 5, 26 und 39 Tagen fanden wir je ein totes Entenkind im Garten, erstickt an einer Nacktschnecke bzw. an deren Schleim. Trotz überall aufgestellter Wasserschälchen und ausreichender Beifütterung konnten wir diesen schlimmen Verlust nicht verhindern. Fortan war jeder Gang in den Garten von Herzklopfen und einem unguten Gefühl begleitet.

Die verbliebenen Küken wuchsen täglich, durchforsteten jeden qm des Gartens nach fressbarem Getier plus Grünzeug und vergnügten sich im Teich.

Viele Zaungäste erfreuten sich den Sommer über am Anblick der Entenfamilie.

Im Alter von 6 Wochen ließ sich das Geschlecht erstmalig auch anhand des Felderkleides erkennen, 6 Erpel und 1 Ente entpuppten sich vor unseren Augen. Eine Woche später waren auch die Stimmen deutlich differenziert wie die der Alttiere. Im Alter von 10-12 Wochen waren unsere Entenkinder ausgewachsen und haben mittlerweile alle ein neues Zuhause gefunden.

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